Bestatter-ABC: W wie Wundwachs
Besonders nach einem plötzlichen und unerwarteten Todesfall hilft ein Abschied am offenen Sarg maßgeblich bei den ersten Schritten der Trauerverarbeitung. Das Unfassbare muss zuerst einmal realisiert werden, dass der heilsame Trauerprozess überhaupt erst in Gang kommen kann. Wenn nach einem tödlichen Unfall jedoch belastende Verletzungen deutlich sichtbar sind, kommt die moderne Verstorbenenversorgung – die Thanatopraxie - zum Einsatz, um belastende Details abzumildern und Angehörigen ein friedliches letztes Bild ihres verstorbenen Menschen zu ermöglichen.
Ein Werkzeug, das wir dabei regelmäßig anwenden, ist das Wundwachs. Es handelt sich um ein speziell entwickeltes, hochflexibles Material, das verwendet wird, um Gewebedefekte auszugleichen und das natürliche Erscheinungsbild eines verstorbenen Menschen behutsam wiederherzustellen.Besonders tiefere Wunden, Schnittverletzungen oder Gewebeverluste können damit sanft ausgefüllt und effektiv geglättet werden. Um ein absolut natürliches Ergebnis zu erzielen, verflüssigen wir das hautfarbene Wachs mit heißer Fön-Luft, dadurch lässt sich das geschmeidige Wachs fein auf der Hautoberfläche verstreichen, um Wunden aufzufüllen und Übergänge abzurunden. Die Wunde muss dafür natürlich trocken sein, sonst hält das Wachs nicht. Nach der sorgfältigen Modellierung auf dem vorbehandelten Gewebe kann das Wachs mit spezieller Kosmetik farblich exakt an den individuellen Hautton angepasst werden. Das Verletzungsbild des Verstorbenen wird durch Wundwachs deutlich weniger auffällig und belastend für die Angehörigen.
Foto: Ch. Pernlochner/Bestattung und mehr I. Neumair