Im Dienst der Wahrheit: Der anspruchsvolle Alltag in der Obduktionsassistenz

Im Dienst der Wahrheit: Der anspruchsvolle Alltag in der Obduktionsassistenz

Tatkräftige Unterstützung hatten wir die letzten drei Wochen von Sina Schaffrath, die ihr Praktikum im Rahmen ihrer Ausbildung zur Obduktionsassistenz am Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe in Innsbruck bei uns absolvierte. Obduktionsassistenten und -assistentinnen sind die "rechte Hand" der Patholog/innen oder Rechtsmediziner/innen und obwohl sie eine große Rolle bei den Untersuchungen spielen, sind sie der Öffentlichkeit so gut wie nicht bekannt, denn in Krimis kommen sie nie vor. 

Ihr Arbeitstag beginnt meist lange bevor der erste Schnitt gesetzt wird. In der Phase der Vorbereitung trägt die Assistenz die volle Verantwortung für die Sicherheit und Hygiene im Sektionssaal. Das bedeutet nicht nur, dass Skalpelle, Scheren und Sägen in perfektem Zustand bereitliegen müssen, sondern auch, dass die Identität des Verstorbenen zweifelsfrei geklärt ist. In einer Umgebung, in der Infektionsschutz an oberster Stelle steht, sorgt die Obduktionsassistenz dafür, dass der Raum auf die bevorstehende Untersuchung vorbereitet ist. Sobald die eigentliche Sektion beginnt, wandelt sich das Aufgabenfeld hin zu einer hochspezialisierten handwerklichen Tätigkeit. Unter der fachlichen Aufsicht der Mediziner übernimmt die Assistenz das Eröffnen der Körperhöhlen (Brust- und Bauchhöhle) und des Schädels. Hierbei ist nicht nur Kraft, sondern vor allem Fingerspitzengefühl gefragt, um die Anatomie für die ärztliche Begutachtung freizulegen. Während der Arzt die Organe untersucht, unterstützt die Assistenz bei der Entnahme von Proben für die Histologie oder Toxikologie. Jedes entnommene Gewebestück muss akribisch beschriftet, fixiert und dokumentiert werden, denn in der Forensik oder der klinischen Forschung kann die kleinste Probe über den Ausgang eines Falls entscheiden. Ein oft übersehener, aber emotional bedeutender Teil der Arbeit findet statt, wenn die medizinischen Fragen beantwortet sind. Die sogenannte Rekonstruktion des Leichnams ist ein Akt der Würde. Die Obduktionsassistentinnen und -assistenten verschließen die Schnitte mit chirurgischer Sorgfalt und reinigen den Körper, um ihn für die Bestattung oder die Abschiednahme durch die Angehörigen vorzubereiten. Es geht darum, die Spuren des Eingriffs so weit wie möglich zu minimieren und dem Menschen seine letzte Ruhe in einem würdevollen Zustand zu ermöglichen. Dieser Aspekt erfordert neben technischem Können auch ein hohes Maß an Empathie und Pietät. Abseits des Sektionsschneidetisches umfasst das Berufsbild zudem eine Vielzahl administrativer und technischer Aufgaben. Die Dokumentation der Befunde, das Archivieren von Proben und die Wartung der komplexen medizinischen Geräte gehören ebenso zum Alltag wie die Kommunikation mit Bestattern oder Behörden. Wer in diesem Berufsfeld Fuß fassen möchte, braucht daher nicht nur ein fundiertes Verständnis der menschlichen Anatomie, sondern auch eine außergewöhnliche psychische Belastbarkeit. 

Wir wüsnchen Sina viel Erfolg und Freude in ihrem Beruf im Dienste der Wahrheit zwischen Wissenschaft und Würde!

Foto: Mitarbeiter Leon Kügler und Mathias Künzler mit Praktikantin und angehender Obduktionsassistentin Sina Schaffrath bei uns im Thanatologie-Raum.

 

    Wir benutzen Cookies

    Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.